#1 Kamerakabel und Video-Multicore Leitungen von gizmotronic 08.05.2021 16:25

Hallo zusammen,

da Suchanfragen zum Thema "K10-Stecker, Kamerakabel" und ähnlichem, inzwischen keine verwertbaren Treffer mehr erzielen, möchte ich hier einmal mein Wissen zusammentragen. Besonders Kameras, deren Steuergeräte und Videorekorder aus dem Industrie- und Broadcastbereich hatten eine Vielzahl an speziellen Multicore-Kabeln, um Videosignale zu übertragen.

Kamerakabel

hier gibt es Unterschiede zum Consumer-Bereich. Dort wurden die Kameras in der Regel mit fest montierten Kabel versehen. Der Stecker zum Rekorder war bei einigen Herstellern, u.a. Panasonic, 10polig und nannte sich K10 Stecker. Bei Sony war der Stecker hingegen 14polig (K14).

Im industriellen Bereich gab es ab ca. 1980 14 polige JAE Stecker. Die Buchse in der Kamera ist immer männlich.

BVP-110
BVP-330
DXC-M3

Mit Einführung der Betacam-Technik ab ca. 1983 erhielten die besseren Kameraserien 41polige JAE Buchsen für die Kamerasteuerung an einer CCU. Die VTR-Buchse hingegen eine 26polige JAE-Buchse. An dieser Buchse liegen nun CVBS und Komponentensignale an. Eine Besonderheit habe ich bei der BVP-3/30 herausgefunden. Die CCU-Kamerakabel der BVP-3 und 30 waren tatsächlich voll 41polig beschaltet. Die Sony Bezeichnung dieser Kabel lautet CCW- und eine Zahl die die Länge in Metern angibt. Die BVP-3/30 lässt sich nur mit dem CA-30 Kamera-Adapter an einer CCU betreiben. Der Kameraadapter hat oben eine zusätzliche Sub-D Buchse, durch die Steuersignale übertragen werden. Im Betrieb mit einem Andockrekorder (BVV-1 oder BVV5) war diese Buchse mit einer Blindplatte abgedeckt. Zum reinen Betrieb mit einem abgesetzten VTR (z.B. U-Matic VO-6800, VO-8800, BVU-110, BVU-150 oder Betacam BVW-25, BVW-35, BVW-50, u.a.) gab es den Adapter CA-3. Dies ist ein reiner Kontakt-Adapter ohne weitere Elektronik. Man kann also auch aus NTSC-Ländern einen solchen Adapter erwerben und mit PAL-Technik verwenden. Der CA-3 hat eine 26polige JAE Buchse. Der Steckertyp heißt bei SONY Z-Type. U-Matic Rekorder mit 14poligem JAE Stecker hatten einen "Q-Type" Stecker. Entsprechende Kabel hatten folgende Bezeichnung:

Kamera 14polig -> Rekorder 14polig: CCQ-2, CCQ-10 (Zahl ist Länge in Metern)
Kamera 14polig -> Rekorder 26polig: CCQZ (überträgt nur CVBS bzw. FBAS, extrem selten!!!)
Kamera 26polig -> Rekorder 14polig: CCZQ-2, CCZQ-10
Kamera 26polig -> Rekorder 26polig: CCZ-2 CCZ-10

Kamera 41polig -> CCU-300 für BVP3/30: CCW (voll beschaltet)
Kamera 41polig -> CCU-350 für BVP 50/7/70/9/90 bis BVP-570 mit Adapter CA-553: CCW-A (Kabel ist nur 26polig beschaltet). Diese Kabel wurden auch von Fujikura als TVCCX hergestellt, sowie von Hirakawa. Unter diesen Suchworten findet man gelegtnlich noch Kamerakabel bei Google und Ebay. Die SONY BVP-5 ist laut Service Manual nicht mit einer CCU kompatibel. Das war erst wieder die BVP-50 und alles was danach kam (7, 70,9,90, etc.)
Kamera 26polig -> CCU 26 polig: CCZ-A. Ob CCZ-A Kabel auch mit Kamera-abgesetzer VTR Kombinationen funktionieren, habe ich noch nicht testen können. 26polige Kamerakabel sind quasi ein Industriestandard gewesen. Es gab sie nicht nur von Sony, sondern auch JVC, Panasonic und IKEGAMI u.a.. Die meisten Kameraadapter und CCUs aus dem Industriebereich verwenden solche Kabel, sofern Multicore und nicht Triax. Von JVC gibt es sogar Lösung mit 26poligen Kamerakabel für entsprechende HD-Kameras.
Kamera 14polig -> CCU 14polig: CCQ-10AM. Z.B. für DXC Kameras an den entsprechenden CCUs: CCU-M3, CCU-M5, CCU-M7. Die Kamera überträgt über den 14poligen Stecker CVBS (FBAS) und RGB-Signale. Daher funktioniert ein Kamera-Rekorder-Kabel CCQ-2 nicht an einer CCU. Ob ein CCQ-10AM mit einer Kamera und Rekorder-Kombi funktioniert konnte ich nicht testen.

Ab ca. 1985 gab es Kameraadapter in Triax-Technik. Hier wird für Video, Audio, Steuerung und Stromversorgung ein im Prinzip dreiadriges Kabel verwendet. Ein Triaxkabel besteht aus einer äußeren und inneren Abschirmung und einem Mittelleiter. Was auf welcher Ader nun genau übertragen wird, müsste ich nachschauen. Aber es sei erwähnt, das eine von den Leitungen 120 Volt Gleichstrom führt! Die anderen beiden sind Masse und das bidirektionale, gemultiplexte Video, Audio und Steuersignal(e).

Bei den Steckern der Triax-Kabel gab es in Deutschland zwei Welten. Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten nutzten DAMAR & HAGEN Stecker und Buchsen. Der Rest Fischer-Stecker. Triaxkabelstecker und Buchsen sind so aufgebaut, das man sie wie ein Stromkabel mit sich selbst verlängern kann, ähnlich wie bei z.B. XLR-Kabeln. Bei 41poligen Kamerakabelstecker und Buchsen geht das auch. Bei den 26poligen Kamerakabeln hingegen nicht. Dafür gibt es dort Adapter, ca. 3cm lang, mit einer männlichen Buchse auf der einen und einer weiblichen Buchse auf der anderen Seite. Gelegentlich taucht so ein Teil bei Ebay auf. Jetzt wisst ihr wozu die mal gut waren. Triaxkabel sind in einigen Insatllationen auch für HD-Kameras noch in Gebrauch. Dementsprechend sind sie meistens noch sehr teuer. Ansonsten arbeiten Kameras und CCUs heutzutage mit Glasfaserkabeln. Der Strom muss natürlich immer noch durch Kupfer. Mit den kleinsten Triax-CCUs und den dünnsten Kabeln waren Kabellängen bis zu 900 Metern möglich. Entsprechend leistungsfähiges Equipment konnte auch Längen bis 3 Kilometer betreiben.

Ich hoffe es ist hilfreich.

gruß rainer

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